
Hafenchef sucht Flächen
Alexander Voigt sieht in Immobilien ein Steuerungsinstrument für die Kundenstruktur
Von Jasper Rothfels
Treilagerfläche und Büros zu vermieten: Wer auf die Homepage
der Häfen Rheinland-Pfalz GmbH schaut, könnte meinen, die Betreibergesellschaft des Hafens Ludwigshafen naue reiennen lände abzugeben. Geschäftsführer Alexander Voigt widerspricht vehe-ment. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagt der 52-Jährige. ,Wir haben Flä-chenbedarf!“ Inseriert seien „meist Randnutzungen, die gar keinen Was-ser- und Schienenzugang haben“ und die eher aus historischen Gründen noch im Portfolio seien. Bei Flä-chen, die eine hafenaffine Nutzung mit Gütertransport per Wasserweg und Schiene ermöglichen, habe man hingegen einen deutlichen Flächen-bedarf. „An der Mobilisierung weiterer Flächen wird deshalb gearbeitet“‚, sagt Voigt.
Der in Köln geborene Manager hat im Juli 2024 die Nachfolge von Franz Josef Reindl als Geschäftsführer der landeseigenen Häfen Rheinland-Pfalz GmbH angetreten. Damit ist er verantwortlich für die Standorte Ludwigshafen, Wörth und Lahnstein.
Hafenmann durch und durch
Voigt sieht sich als echten „Hafenmann“. Prägend dafür war für den Juristen seine Zeit bei der Rhein-cargo & Co. KG und der Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH & Co. KG.
Dort war er allerdings auch für das Immobilienmanagement zuständig.
„Der Geschäftsbereich Immobilien ist ein sehr zentrales Steuerungselement in den Häfen – nicht nur wegen der Ergebnisbeiträge, sondern auch, wenn es darum geht, die Kun-denstruktur zu steuern“, erklärt der Fachmann. Es gehe darum, Unternehmen anzusiedeln, die als Teil der Logistikbranche Massengüter per Schiff und Bahn umschlagen oder die als Industrieunternehmen ihre Rohstoffe befördern. „Da die Häfen Rheinland-Pfalz ebenfalls immobi-lienlastig sind, was das eigene Geschäftsmodell angeht, habe ich mich hier auch sehr gut wiedergefunden“, sagt Voigt
Sein größter Hafen ist Ludwigshafen, die Heimat des Chemieriesen BASF. Während der Hafen Mannheim auf der anderen Flussseite 2024 beim wasserseitigen Güterumschlag im Vorjahresvergleich ein Minus von 8,01 Prozent verbuchen musste, konnte der Hafen Ludwigshafen auch dank Zuwächsen bei Erd- und Mineralöl sowie chemischen Erzeugnissen um 8,65 Prozent auf 5,47 Millionen Tonnen zulegen.
Im Containerumschlag sank die Tonnage um 2,27 Prozent auf 735.269 Tonnen
Mannheim: minus 3,09 Prozent), wie die Häfen berichten. Sie teilen sich neben dem Fluss ein Problem: Die beiden Rheinbrücken zwischen den Städten sind marode, seit Anfang Dezember dürfen Lkw sie nur noch mit Tempo 30 und im Abstand von 50 Metern befahren. „Sorgenkind“ ist auch die in Ludwigshafen an eine Rheinbrücke anschließende Hochstraße Nord. Ihr Gegenstück, die Hochstraße Süd, wurde wegen Einsturzgefahr bereits zum Teil abgerissen und wird gerade neu gebaut. Sobald sie fertig ist, ist die Hochstraße Nord dran.
Voigt betrachtet die Brückensi-tuation in Ludwigshafen mit sehr großer Sorge. „Ich appelliere an die zuständigen Straßenbaulastträger, das mit Hochdruck in Angriff zu nehmen und die Brücken funktionsfähig zu halten“, so Voigt. „Die Situation tut der Hafenwirtschaft nicht gut und wirkt sich letzten Endes negativ auf die Wirtschaftsleistung der gesamten Region und der Bevölkerung aus.“ Zwar gebe es Ausweichrouten wie die im Norden querende A6, die seien aber mit Umwegen verbun-den. „Das sind Tonnenkilometer, Kosten und Schadstoffemissionen, die sich da über das Jahr multiplizie ren“, kritisiert er.
Geschäftsmodell überdenken
Rückenwind für die Häfen und das System Wasserstraße allgemein erwartet Voigt von der Ausweitung des Emissionshandels auf den Verkehrs-sektor ab 2027. ,Die Häfen erhalten dadurch trotz aktueller konjunkturell bedingter Mengenrückgänge eine stark wachsende Bedeutung beim Erreichen der Klimaschutzzie-le“, sagt der Manager. Sie ermöglichten den Gütertransport per Schiff und Bahn, der im Vergleich zum Lkw deutlich schadstoffärmer sei. „Wegen der Mengenrückgänge, zum Beispiel bei fossilen Energieträgern und Eisenerz, müssen sich die Häfen aber Gedanken machen, welches Geschäftsmodell dann am Standort gebraucht wird“, so Voigt.
Er nehme wahr, dass es gerade im Bereich der Kreislaufwirtschaft eine erhöhte Nachfrage an wassergebun-denen Standorten gebe, etwa von Firmen, die mit recycelbaren Kunststoffen und Baustoffen zu tun hätten. Hier könnten die Häfen eine zunehmende Bedeutung bekommen. Einige Geschäftsmodelle setzten allerdings bestiminte Standortbedingungen voraus. Das gelte etwa für den Umgang mit Ammoniak als Transportmittel für Wasserstoff und seine Umwandlung in Wasserstoff.
Das sei Gefahrgut und um dies umschlagen zu können, müssten gesetzliche Vorgaben berücksichtigt werden. Im Wettbewerb mit den Kommunen um Flächen müsse man darauf achten, Flächen vorzuhal-ten, die das können, was gebraucht wird. Flächenpotenziale sieht Voigt in Ludwigshafen, aber vor allem für Wörth, wo Mercedes-Benz Trucks sein größtes
Lkw-Montagewerk unterhält.
Nachhaltigkeit im Blick
Neben der Flächengewinnung hat Voigt weitere Pläne: So soll es La-destellen für E-Lkw geben, mit der Stadt Ludwigshafen ist die Einrichtung eines „Hauses der Stadtge-
schichte“ vereinbart und für einen CO,-neutralen Hafenbetrieb soll das Nachhaltigkeitsmanagement ausgebaut werden.
Voigt, der sich in Ludwigshafen sehr wohl zu fühlen scheint, zieht es auch privat ans Wasser: Er joggt gerne am Rhein und fährt im Urlaub mit dem Boot auf dem Fluss in Richtung Niederlande. (ben)